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Heilkraft der Natur: Wie Natur unsere Gesundheit stärkt

  • Autorenbild: Mag. pth. Peter Schweighofer, BA MSc
    Mag. pth. Peter Schweighofer, BA MSc
  • vor 5 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Bild: Shutterstock
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Der Mensch ist Teil der Natur – und doch verlieren viele von uns den Kontakt zu ihr. Gerade Männer tun sich oft schwer, auf körperliche und seelische Signale zu hören. Dabei kann die Verbindung zur äußeren wie zur inneren Natur ein wichtiger Schlüssel zu Gesundheit, Selbstwahrnehmung und innerer Stabilität sein.


Als Peter Schweighofer das Hauptthema dieser Ausgabe erstmals hörte – „Erwachen mit Hilfe der Natur“ – überlegte er neuerlich, was wir heute unter Natur, Heilkraft und dem menschlichen Zugang dorthin verstehen. Generell lassen sich die „Heilkräfte der Natur“ traditionell, physio- und psychotherapeutisch wie auch medizinisch betrachten oder nach den Heilkräften der äußeren und inneren Natur differenzieren. Die Naturwissenschaften bezeichnen „Natur“ als die Gesamtheit aller lebenden und unbelebten Systeme sowie deren Wechselwirkungen, also die Ganzheit aller biologischen, chemischen und physikalischen Prozesse. Möglicherweise verstehen wir unter „Natur“ nicht nur mächtige Gebirgszüge, sauerstoffproduzierende Wälder, bunte Blumenwiesen oder klare Flüsse und Seen, sondern alles, was aus einem natürlichen Prozess heraus entstand. Dies bedeutet konsequenterweise, dass der Mensch ein wesentliches Subjekt und integraler Bestandteil der Natur ist.


Warum wirkt „die Natur“ so wohltuend auf uns? Möglicherweise liegt es an unserer evolutionären Nähe zu ihr. Der Mensch hat sich in und mit der Natur entwickelt. Er ist nicht bloßer Betrachter, sondern biologisch vollständig in diese Systeme eingebettet. Unsere Physiologie, das Nervensystem und unsere psychische Regulation entwickelten sich über Jahrmillionen in direkter Wechselwirkung mit natürlichen Umweltbedingungen.


Neuropsychologische Heileffekte durch Aufenthalte in der Natur wie das Waldbaden (japanisch: „Shinrin Yoku“) senken nachweislich Stresshormone, aktivieren das parasympathische Nervensystem, reduzieren angstbezogene Symptome wie Depressionen und fördern die kognitive Leistungsfähigkeit, Konzentration und Kreativität. Schweighofer betont, dass die Natur nicht stimulierend im technischen Sinn wirkt, sondern regulierend, ausgleichend und homöostatisch, das heißt, sie unterstützt unser inneres Gleichgewicht und hält es aufrecht.

Über den Autor


Bild: Peter Schweighofer
Bild: Peter Schweighofer

Peter Schweighofer ist Psychotherapeut (Systemische Familientherapie), hypnosystemischer Berater und Therapeut, staatlich geprüfter psychosozialer Berater, Lehrsupervisor und Business-Coach. In seiner Praxis in Wien und Mödling verbindet er Psychotherapie mit naturbezogenen Heilansätzen. Schon als Kind prägte ihn der Kräutergarten seines Vaters in der Steiermark – und damit eine tiefe Verbundenheit mit der Heilkraft der Natur. psychotherapie-schweighofer.at

Der „Innere Heiler“ im Menschen


Als Teil der Natur besitzt der Mensch die Fähigkeit zur Aktivierung des „Inneren Heilers“. Der menschliche Organismus verfügt über umfassende Selbstheilungsmechanismen wie Zellregeneration (Wundheilung), Immunsystem (Antikörper), Neuroplastizität (strukturelle und funktionelle Anpassungsfähigkeit) und hormonelle Rückkoppelungssysteme.


Diese Prozesse laufen kontinuierlich ab, sind jedoch hochgradig kontextabhängig. Zu den inneren Heilkräften zählen auch die psychischen Ressourcen. Das Gehirn fungiert dabei als bedeutende neurobiologische Schöpferkraft – eine Fähigkeit, die es uns ermöglicht, ganz neue Zusammenhänge auch mit jenen aus unserer Vergangenheit, wie unbewusste Vorerlebnisse, zu vergleichen und zu bewerten.


Im Fall, dass wir uns an vergangene Konstellationen nicht mehr bewusst erinnern können, erfolgt eine Neuberechnung und Neubewertung von unbewusst gespeicherten Situationen unter Berücksichtigung neuer Erlebnisse. Hierbei kommen Ahnung, Bauchgefühl oder Intuition hilfreich zum Einsatz. Dann erfolgt emotionale Kommunikation über die Darm-Hirn-Achse zwischen Darm (Bauchhirn) und Gehirn. Auch Intuition und der Vagusnerv gelten als ein direkter „Weg zur inneren Weisheit“, also dorthin, wo inneres Wissen gespeichert ist.


Wir können diesen „Inneren Heiler“ sowohl intrinsisch selbstbestimmt als auch mit Hilfe von professionellen Therapeuten gesundheitsfördernd zum Wohlergehen oder gar „heilbringend“ ansprechen. Es wird höchste Zeit, dass mehr Menschen – Frauen und Männer – erwachen und sich wieder verstärkt mit der Natur – außen wie innen – verbinden. Dadurch können sie Erholung und Stärkung finden sowie heilvolle „Wunder“ zulassen, um folglich natürliche, gesundheitsfördernde Prozesse zu aktivieren und zu intensivieren.


Männerrolle und Selbstfürsorge


Wofür soll die allgemeingültige Heilkraft der Natur nun spezifisch im Kontext der Männergesundheit betrachtet werden? Während der „Innere Heiler“ (Selbstheilungskräfte) natürlich in jedem Menschen angelegt ist, sind es bei Männern oft tiefsitzende, unbewusste Barrieren und tradierte Rollenbilder, die den Zugang zu diesen Ressourcen häufig blockieren.


Während Frauen statistisch gesehen viel häufiger präventive Hilfe suchen, sind Männer Experten darin, Empfindungen zu verbergen und geben sich gerne stark. Dahinter stecken ebenso Erziehung und uralte Prägungen.


Männer sind generell dafür bekannt, dass sie sich gesund fühlen, auch wenn schon ein Schmerz auf gesundheitliche Störungen hinweist: „Wird schon wieder, denn so schlimm ist es ja noch nicht!“ oder „Ich mache am Wochenende mal eine Pause!“


Um das „Erwachen mit der Natur“ für Männer nutzbar zu machen, müssen wir daher verstehen, in welchem Spannungsfeld sich die heutige Männerrolle bewegt. In der Gesellschaft hat sich das ursprüngliche Männerbild zum „balancierenden Mann“ gewandelt: im Beruf angesehen und in der Familie aktiv.


Meist wird unter Männlichkeit Leistung, beruflicher Erfolg, finanzieller Status, Dominanz und Macht verstanden. Mehr und mehr Männer fühlen sich zunehmend zerrissen und überlastet von dem, was sie sein sollen und wollen. Männer leiden anders als Frauen, und dieser Druck führt zu neuen psychischen und physischen Belastungen.


Bild: Shutterstock
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Worunter leiden Männer wirklich?


Berufliche wie private Überforderungen, dissoziative und dysfunktionale Störungen, Suchterkrankungen, Depressionen und Psychosen stellen einige der häufigsten Leiden von Männern dar. In „Männerwelten“ beschreiben Christ und Mitterlehner die 7 V’s als die sieben vulnerablen Punkte des Mannes:


Verausgabung: Stress, Burnout, Ausgebranntsein durch permanente Leistungsmaximierung

Verlangen: Sexualität, Beziehung (verliebt, verlobt, verheiratet, verführt)

Vaterschaft: Weltbewegende Veränderungen – alles wird anders

Verantwortung: 24/7-Bereitschaft und virtuelle Welten

Veränderung: Abschied, Anpassung, Neubeginn

Verlust: andere Formen der Trauer, Leugnung, Machtlosigkeit

Verurteilung: Spannungsfeld zwischen Täter- und Opferrolle


Nur wenige Männer gehen aus freien Stücken zu einem Arzt oder in eine Physio- oder Psychotherapie. Sie nehmen Hilfe oft erst bei einem „spürbaren Anstoß“ in Anspruch. Die Bereitschaft wird häufig auch durch Scham gebremst.

Es ist an der Zeit, dass Männer lernen, eigene Schwächen auszusprechen, ohne einen Gesichtsverlust zu erleiden. Die Psychotherapie beschäftigt sich inzwischen verstärkt mit Männern, deren Lebenswegen und Stolpersteinen zur Identitätsfindung, den Entwicklungsschritten vom Jüngling zum Mann sowie dem „Gentle-mental-health-Code“.


Stärkung der Männergesundheit


Wie Peter Schweighofer aus seiner Praxis berichtet, bedarf es dafür eines niederschwelligen Therapiezugangs auf Augenhöhe und einer erkennbar vertrauensvoll professionellen Haltung, um Männer für die therapeutische Arbeit zu gewinnen.


Zentrale Aspekte sind dabei die „männliche Sprache“, eine mitfühlende Neutralität, ein geordneter und transparenter Ablauf und Empathie, um die Themen der Männer wirklich verstehen zu wollen.


Ein Modell, das für Männer besonders ansprechend ist, stellt die Hypnosystemik (nach Gunther Schmidt), die mehr eine Haltung als eine Technik ist, dar. Aufmerksamkeitsfokussierung und achtsame Neugierde mit wertschätzend forschenden Fragen sind in dieser Methode die Basis des therapeutischen Beziehungsaufbaus.


Atemübungen und Entspannungstechniken für eine konzentrative Selbstentspannung sowie systemische Fragen und hypnosystemische Trancen zur Erweiterung von Wahrnehmungen sind einige der von Schweighofer praktizierten Interventionen in der Gesprächstherapie.


Tranceinduktionen sind individuelle Formen innerer Kommunikation, die „Problem-Lösungs-Übergänge“ begünstigen, bildhafte innere Abläufe und körperlich wohltuende Phänomene ermöglichen und dadurch lindernd und heilend wirken können.


Bild: Shutterstock
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Therapeutische Wirkungsweisen


Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut in der Praxis der Milton-Erickson-Akademie in Wien, in seiner Privatpraxis in Mödling wie auch im Rahmen eines mehrjährigen Praktikums im Männergesundheitszentrum Wien durfte Schweighofer zahlreiche positive Rückmeldungen von seinen Klienten sammeln. Männer sprachen davon, Entspannung, Linderung von Leid und vielfältige heilsame Wirkungsweisen wahrgenommen zu haben. Konkret wurden genannt:


Physiologische Entlastung: „körperlich entspanntes Erleben aufgrund eines gleichmäßigen Atemrhythmus, spürbar wohltuender Energiefluss und Wärme sowie ein sinkender Herzschlag und Druck in der Brust“.

Mentale Erleichterung: „neuartiges Erleben von abfallender Last, fühlbare Leichtigkeit und innere Ruhe sowie ein Gedankenkarussell, das ganz von selbst verschwand …“

Sinneseindrücke: „hilfreiche Verbindungen zwischen Händen und Herz; traumhaft wirkende Bilder projizierten Erinnerungen und versetzten Gemütszustände.“


Während der Therapie konnte bei einigen Männern ein sichtbar erleichternder Tränenfluss, Fröhlichkeit und Lachen wahrgenommen werden. Sie bestätigten: „Glückszustände, Momente der Freude und des inneren Friedens“. Einige Männer berichteten Tage oder Wochen nach der Therapie: „Ich habe neue innere Kräfte und Stärke, fühle Selbstliebe, Selbstwert, neues Selbstvertrauen und Motivation, nehme Klarheit wahr und kann dies auch in den Alltag mitnehmen.“ Es fällt ihnen leichter, eine gesündere Haltung einzunehmen und wieder ihrem Bauchgefühl stärker zu vertrauen.


Die Aktivierung der neurobiologischen Schöpferkraft kann Menschen zu mehr Selbstliebe und Motivation führen. Das menschliche Gehirn arbeitet auch wie ein „Umgestaltungsapparat“ von Sinneseindrücken, Resonanzen und Kräften, die wir aufmerksam und wohltuend nutzen sollten (Fuchs, 2021).


Fazit: Natur als Resonanzraum


Die Hypnosystemik, diese Form der achtsamen Gesprächstherapie, weist auch bei Männern rasch entlastende Effekte auf. Die positiven Rückmeldungen motivieren zu weiteren Untersuchungen von hypnosystemischen Tranceinduktionen und deren Phänomene bei Männern, um dadurch mehr Klarheit, Linderung von seelischem Schmerz sowie Heilung in Bezug auf bewusst ungewollte Gewohnheiten, belastende Rollenbilder, Wunschidentitäten und andere Problemfelder zu erlangen.

Die Natur ist dabei nicht nur ein externes Heilmittel, sondern ein Resonanzraum, in dem die körpereigenen Heilmechanismen optimal arbeiten können.

Epilog


Peter Schweighofer ist sich seit Jahren – auch aufgrund seiner Lebens- und Berufserfahrung – bewusst, dass eine gesunde Ausgewogenheit zwischen kognitiven und intuitiven Entscheidungen oft zu fruchtbaren und heilvollen Ergebnissen führen kann. Als Experte seines Lebens kann der Mensch ganz bewusst, mutig und selbstbestimmt seiner Gesamtheit – der Einheit von Körper, Geist und Seele, Aufmerksamkeit schenken, um dadurch neue oder verborgene Fähigkeiten und Potenziale für eine starke Gesundheit und größtmögliche Lebensfreude zu entdecken.


Gerade dann, wenn »Mann« glaubt, keine Zeit für frische & gesunde Ernährung, Aufenthalt & Bewegung in der Natur und mentale Unterstützung hat, gerade dann benötigen Körper, Geist und Seele dies am meisten, genau dann!


Bild: Shutterstock
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