Hunde und Heilung: Wie unsere Vierbeiner Gesundheit und Wohlbefinden fördern
- Lisa Gutzelnig

- vor 1 Tag
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Warum das Zusammenleben mit Hunden nicht nur emotional wirkt, sondern auch über das Mikrobiom unsere mentale Gesundheit beeinflussen kann.

Hunde sind für viele Menschen weit mehr als Haustiere. Sie begleiten uns treu, schenken Nähe und sorgen für Freude im Alltag. Doch ihr Einfluss reicht offenbar noch weiter: Studien zeigen zunehmend, dass das Zusammenleben mit Hunden nicht nur emotional bereichernd ist, sondern auch messbare Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit haben kann. Forschende vermuten, dass ein Teil dieser positiven Effekte auf den Austausch von Mikroorganismen zwischen Mensch und Hund zurückzuführen ist.
Menschen und ihre Vierbeiner bilden im Alltag eine enge Lebensgemeinschaft, in der Mikroben zwischen beiden Organismen übertragen werden können. Gleichzeitig steht das Mikrobiom – also die Gesamtheit der Mikroorganismen im Körper – über die sogenannte Darm-Hirn-Achse mit dem Gehirn in Verbindung. Veränderungen in der Zusammensetzung dieser mikrobiellen Gemeinschaft können daher auch Einfluss auf Stimmung, Stressreaktionen und das allgemeine Wohlbefinden nehmen. Genau hier könnte ein wichtiger Schlüssel für die gesundheitsfördernde Wirkung von Hunden liegen.
Wer einen Hund besitzt, erlebt ihn meist als etwas ganz Besonderes. Umfragen bestätigen dieses Gefühl der Verbundenheit eindrucksvoll. In einer Befragung unter 2.000 Menschen in den USA im vergangenen Jahr gaben 81 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie das Gefühl hätten, ihr Hund sei ihnen „vom Schicksal bestimmt“ begegnet. Mehr als die Hälfte – rund 56 Prozent – bezeichnete den eigenen Vierbeiner sogar als eine Art Seelenverwandten.
Diese starke emotionale Beziehung scheint nicht ganz zufällig zu entstehen. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass sich bestimmte Charakterzüge von Hund und Halter häufig ähneln. Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang beim Persönlichkeitsmerkmal Introversion beziehungsweise Extraversion. Menschen, die sich selbst als offen und kontaktfreudig beschreiben, haben statistisch deutlich häufiger Hunde mit einem ebenso lebhaften und geselligen Wesen. Bei eher zurückhaltenden oder introvertierten Personen zeigt sich häufig das gegenteilige Muster.

Der Austausch von Mikroben
Japanische Forschende haben einen weiteren möglichen Mechanismus entdeckt, der erklären könnte, warum Hunde so positiv auf die psychische Gesundheit wirken. Der Kontakt mit Hunden scheint die Zusammensetzung der Mikroorganismen zu verändern, die auf unserer Haut, in unserem Mund und in unserem Darm leben. Diese Veränderungen im Mikrobiom könnten wiederum Einfluss auf das mentale Wohlbefinden haben.
„Die Haltung eines Hundes kann besonders bei Jugendlichen positive Auswirkungen zeigen, und möglicherweise spielt dabei eine symbiotische Beziehung mit Mikroorganismen eine Rolle“, erklärt Takefumi Kikusui von der Azabu University in Japan.
Bereits frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass junge Menschen, die mit einem Hund aufwachsen und auch später im Leben mit Hunden zusammenleben, häufig bessere Werte in Studien zur sozialen Verbundenheit und zur psychischen Gesundheit aufweisen. Andere wissenschaftliche Arbeiten fanden zudem Unterschiede im Darmmikrobiom zwischen Hundebesitzern und Menschen ohne Hund. Dass das Mikrobiom über die Darm-Hirn-Achse Verhalten und Emotionen beeinflussen kann, gilt in der Forschung mittlerweile als gut belegt.
Mensch und Hund bilden demnach nicht nur eine soziale, sondern auch eine mikrobielle Gemeinschaft. Da Darm und Gehirn miteinander kommunizieren, liegt die Vermutung nahe, dass Veränderungen im Mikrobiom zumindest teilweise die positiven Effekte erklären könnten, die Hunde auf das menschliche Wohlbefinden haben. In einer aktuellen Untersuchung analysierten Forschende Jugendliche im Alter von 14 Jahren aus der Metropolregion Tokio. Dabei zeigte sich, dass Teenager, die mit 13 Jahren einen Hund besaßen, im Durchschnitt eine stabilere psychische Gesundheit aufwiesen. Auffällige soziale Schwierigkeiten traten bei ihnen deutlich seltener auf als bei Gleichaltrigen ohne Hund im Haushalt.
Was genau ist ein Mikrobiom?
Der Begriff „Mikrobiom“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Mikro“ steht für sehr kleine Organismen, während „Biom“ eine Gemeinschaft von Lebewesen innerhalb eines bestimmten Lebensraums beschreibt.
Das Mikrobiom eines Tieres – etwa eines Hundes oder einer Katze – kann man sich als riesige mikroskopische Lebensgemeinschaft vorstellen. Milliarden von Bakterien, Viren, Pilzen und Protozoen besiedeln verschiedene Bereiche des Körpers, beispielsweise die Haut, den Darm oder die Schleimhäute. Gemeinsam bilden sie ein komplexes Ökosystem, das zahlreiche Funktionen erfüllt.
Diese mikrobiellen Gemeinschaften sind bei jedem Tier individuell zusammengesetzt. Kein Mikrobiom gleicht exakt dem eines anderen – ähnlich wie ein persönlicher mikrobieller Fingerabdruck.

Bakterien als Auslöser?
Interessanterweise traten in der Studie bei Jugendlichen mit Hund bestimmte Probleme seltener auf. Dazu gehörten beispielsweise Ängstlichkeit, sozialer Rückzug, aggressives Verhalten oder Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit.
Die Forschenden analysierten Speichelproben der Jugendlichen und stellten fest, dass beide Gruppen – mit und ohne Hund – eine ähnlich große Vielfalt an Mikroorganismen aufwiesen. Unterschiede zeigten sich jedoch in der genauen Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft. Besonders auffällig war, dass bei Hundebesitzern bestimmte Streptococcus-Bakterien häufiger vorkamen – Mikroorganismen, die auch im Mikrobiom von Hunden vorkommen.
Kikusui vermutet, dass diese Bakterien eine Rolle für das emotionale Wohlbefinden spielen könnten.
Bakterien fördern soziales Verhalten?
Um die möglichen Auswirkungen dieser Mikroben näher zu untersuchen, führten die Forschenden weitere Experimente durch. Sie übertrugen bestimmte Bakterien aus den Proben auf Labormäuse und beobachteten anschließend deren Verhalten.
Das Ergebnis überraschte die Forschenden: Mäuse, die Mikroben aus dem Mikrobiom von Hundebesitzern erhielten, verbrachten mehr Zeit damit, ihre Artgenossen zu beschnuppern. Außerdem zeigten sie stärkeres Interesse an Mäusen, die sich in einem separaten Bereich des Käfigs befanden. Die Forschenden interpretierten dieses Verhalten als Hinweis auf gesteigerte soziale Aufmerksamkeit und Empathie.
„Ein besonders spannendes Ergebnis dieser Studie ist der Nachweis von Bakterien im Mikrobiom von Jugendlichen mit Hund, die möglicherweise prosoziales Verhalten fördern“, erklärt Kikusui.
Der Wissenschaftler betont zudem, dass Hunde nicht nur durch ihre Anwesenheit beruhigend wirken oder durch Berührung Stress reduzieren können. Auch Veränderungen in der mikrobiellen Gemeinschaft könnten Teil dieser Wirkung sein. „Die Haltung eines Hundes könnte das Potenzial haben, die symbiotische mikrobielle Gemeinschaft des Menschen zu verändern“, so der Forscher.
In zukünftigen Studien wollen die Wissenschaftler diesen Zusammenhang noch genauer untersuchen. Die bisherigen Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass ein Hund im Haushalt das Mikrobiom junger Menschen beeinflussen kann – möglicherweise mit positiven Folgen für ihre psychische Entwicklung und Stabilität. Das könnte auch eine Folge der jahrtausendelangen gemeinsamen Entwicklungsgeschichte von Mensch und Hund sein.

Fazit
Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund wirkt nicht nur auf emotionaler Ebene. Neben Nähe, Zuneigung und dem Gefühl von Sicherheit scheint auch eine biologische Dimension eine Rolle zu spielen. Das Zusammenleben mit Hunden kann die mikrobiellen Gemeinschaften beeinflussen, die in und auf unserem Körper leben.
Diese Veränderungen im Mikrobiom zeigen, dass die Verbindung zwischen Mensch und Hund weit über kurzfristige emotionale Effekte hinausgehen kann. Vielmehr wird deutlich, dass Hunde möglicherweise auch langfristig zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden beitragen. Damit unterstreicht die Forschung erneut die außergewöhnliche Rolle des Hundes – nicht nur als treuer Begleiter, sondern auch als wichtiger Partner für unsere körperliche und mentale Gesundheit.
Verteilung der Wahrnehmung von Hunden als Seelenverwandte unter Tierhaltern
Die Statistik macht sichtbar, was viele Hundebesitzer längst im Herzen tragen: Mit einem Durchschnittswert von 5,54 liegt die Zustimmung deutlich über dem neutralen Bereich. 73 Prozent der Befragten empfinden ihren Hund als Seelengefährten oder wichtigsten Begleiter. Die emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier ist damit nicht nur gefühlt, sondern auch messbar tief verwurzelt.




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