top of page

Abwehrkraft aus der Natur

Autorenbild: Michaela Hocek
Michaela Hocek
25. März
5 Min. Lesezeit

Mit dem gezielten Einsatz von Vitalstoffen kann man seinem Körper Gutes tun. Den Stoffwechsel positiv zu unterstützen und Körperzellen in ihrer Alterung zu bremsen, hilft die Lebensqualität zu steigern – und im Winter gesund zu bleiben.



Dem Immunsystem wird zu Beginn der Husten- und Schnupfenzeit gerne erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist jetzt die Aufnahme von Vitaminen wichtig. Sellerie, Feldsalat und Grünkohl unterstützen die Abwehrzellen mit Vitamin A, Brokkoli und Paprika mit Vitamin C. Die Aufnahme von hochwertigen Ölen und Nüssen bewährt sich ebenso wie scharfe Komponenten in Gestalt von Chili, Meerrettich oder Senf, da die u.a. enthaltenen ätherischen Öle das Potential haben, die Atemwege freizuhalten. Um die Schleimhäute freizuhalten und die Barrierefunktion bei trockener Heizungsluft aufrechtzuerhalten, ist es auch in der kalten Jahreszeit wichtig, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr – also bis zu zwei Liter – zu achten. Ein wesentlicher Faktor ist zudem die Bewegung – vorzugsweise an der frischen Luft, selbst wenn die Temperaturen nicht unbedingt ins Freie locken. Neben Spaziergängen sind moderate Ausdauersportarten wie Walken, Langlauf oder Schneeschuhwandern empfehlenswert, weil das Training das Immunsystem stimuliert. Eine Überanstrengung durch intensive Belastung wiederum ist zu vermeiden, weil es hinsichtlich der Abwehrkraft gegen Infekte den gegenteiligen Effekt hat. Weitere Tipps haben wir uns bei Sabine Eilmsteiner, die sich in ihrem kürzlich im Kneipp Verlag erschienen Buch „Die große Waldapotheke“ mit der tradierten Volksmedizin, Phytotherapie und Studien in Bezug auf heilkräftige Pflanzen, Pilzen und Flechten auseinandersetzt, geholt.


„Das beste Mittel um das eigene Immunsystem zu stärken, scheint mir in erster Linie der Waldbesuch an sich. Bereits kurze Aufenthalte wirken sich äußerst positiv auf uns aus – so ist alleine das Sammeln eine Wohltat für Körper und Geist.“ Bild: Eilmsteiner Sabine
„Das beste Mittel um das eigene Immunsystem zu stärken, scheint mir in erster Linie der Waldbesuch an sich. Bereits kurze Aufenthalte wirken sich äußerst positiv auf uns aus – so ist alleine das Sammeln eine Wohltat für Körper und Geist.“ Bild: Eilmsteiner Sabine

Nachgefragt beim Profi


Eilmsteiners Rezept, um gesund durch den Winter zu kommen, klingt beruhigend einfach und wird auch gleich von einem ersten spannenden Tipp mit historischer Bedeutung begleitet: „Viel frische Luft! (Wald-)Spaziergänge sind für unsere Gesundheit essenziell. Selbstfürsorge, die sich unter anderem in einer heiteren Lebenseinstellung, in der Vielfalt und Kreativität des täglichen Essens sowie in bewussten Auszeiten zeigt, darf man nicht unterschätzen. So sehr uns heilsame Inhaltsstoffe aus Pflanzen und Pilzen unterstützen mögen – wenn wir Raubbau an unseren körperlichen Ressourcen betreiben, können auch sie nichts ausrichten.


Das mit dem gesunden Essen schaffe ich neben der Arbeit übrigens leider auch nicht immer, aber zumindest ist die Bemühung in die Richtung vorhanden. Noch ein persönlicher Tipp für die Erkältungszeit – wenn rund um einen alles hustet und schnupft: Eine Wacholderbeere (Juniperus communis) gut zerkauen und schlucken. Wacholderbeeren wurden mit ihrer keimtötenden Wirkung bereits in Pestzeiten zur Vorbeugung verwendet.“


Tipp Wacholder: Eine Wacholderbeere (Juniperus communis) gründlich zu zerkauen und zu schlucken kann sich keimtötend auswirken. Bild: Shutterstock.com
Tipp Wacholder: Eine Wacholderbeere (Juniperus communis) gründlich zu zerkauen und zu schlucken kann sich keimtötend auswirken. Bild: Shutterstock.com

Kräuter, die das Immunsystem stärken


Kräuter ernten hat im Winter Pause, erst wenn im Frühling das frische Grün wächst, wird bis in den September hinein gesammelt und bevorratet. Ab Ende September sind Pflanzen wirkstoffärmer und durch die nasskalte Witterung zunehmend von Schimmelpilzen besiedelt und nicht mehr für den Verzehr bzw. die Weiterverarbeitung geeignet. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die falsche Brunnenkresse (Cardamine amara) – sie wächst entlang von Bachläufen und kann auch in den Wintermonaten geerntet werden. Sie schmeckt herrlich auf einem Butterbrot, kann aber auch zu einer Tinktur weiterverarbeitet werden. Ihre Wirkung ist vor allem stoffwechselanregend, entzündungshemmend und abwehrstärkend. Wer bereits im Frühling und Sommer gesammelt hat, setzt jetzt beim Thema Immunsystemunterstützung auf den antibiotisch wirkenden Bärlauch (Allium ursinum) oder die Blüten bzw. die gekochten Beeren vom Holunder (Sambucus nigra) – um nur einige aus der großen Fülle der Waldapotheke zu nennen.


Wie oft und in welcher Form Naturmedizin anwenden?


Die Art der Anwendung sollte an die Vorlieben des Anwenders angepasst sein. So gesehen führen viele Wege ans Ziel. Ich persönlich bin zum Beispiel keine Teetrinkerin – nutze die heilsame Kraft von Kräutern, Pilzen & Co. lieber kulinarisch und baue sie immer wieder mal in Gerichte ein. Grundsätzlich gilt Abwechslung als wichtigste Grundregel. Wer regelmäßig immer die gleiche Kräuterteemischung trinkt, kann abgesehen von einem Gewöhnungseffekt sogar gesundheitliche Probleme bekommen. So gesehen sind vier bis sechs Wochen schon das äußerste Maximum – Vielfalt ist angesagt. Zum einen sollte man natürlich bedarfsorientiert arbeiten – also nur bei Beschwerden Anwendungen durchführen. Zum Beispiel eine Salbe vom Storchenschnabel (Geranium robertianum) bei Hautekzemen. Andererseits darf man gerne in den eigenen Körper hineinhorchen und sich ab und zu einfach selbst verwöhnen – ein Bad mit Tannensalz nehmen oder eine aufbauende Brennnesselsuppe essen.


Man muss sich bei der Bestimmung des Sammelgutes immer zu hundert Prozent sicher sein – im Zweifelsfall lieber einen Experten fragen! Bestimmungs-Apps wie ObsIdentify, PlantNet, Flora incognita oder Picture Mushroom können übrigens auch gute Begleiter sein – blind darauf verlassen, darf man sich aber nicht.

Was der Winterwald hergibt


Eilmsteiner ist ein großer Fan von Winterpilzen. Nachdem sie standorttreu sind, kann man sie jedes Jahr an denselben Orten suchen. Flechten wie das Isländische Moos (Cetraria islandica) oder das Eichenmoos (Evernia prunastri) können bei schneefreier Witterung ebenso gesammelt werden. Gehölze und Harze finden sich immer – zum Räuchern, für Salben, Inhalationen oder im Fall von Tannenreisig auch für einen herrlichen, winterlichen Punsch.


Wirkung von Vitalpilzen auf das Immunsystem


Je nach Art wirken Pilze unterschiedlich auf unseren Körper. Der heimische Winter- bzw. Samtfußrübling (Flammulina velutipes) ist hier mehrfach heilsam. Zum einen wirkt er antiviral und kann so in Erkältungszeiten den einen oder anderen Infekt im Vorfeld abwehren. Zum anderen wurde in Studien nachgewiesen, dass er hemmend auf Tumore und Metastasen wirkt. Die honiggelben kleinen Pilze wachsen häufig erst ab Dezember. Sie brauchen Frost um zu wachsen. Fündig wird man vor allem an Weide oder Pappel. Der ab Februar auftauchende Fichtenzapfenrübling (Strobilurus esculentus) dürfte vor allem durch seine antibakterielle Wirkung das Immunsystem unterstützen. Wie sein Name schon verrät, wächst er auf Fichtenzapfen die am/im Waldboden liegen.



Wie nutzt man ihre Wirkung optimal?


„Ich persönlich bin kein Befürworter von Kapseln oder Pulvern“, so Eilmsteiner. Für sie steht der Genuss im Vordergrund – daher sind Vitalpilze für sie vor allem in schmackhaften Gerichten passend. Eine vielfältige Ernährung mit hochwertigen und regionalen Produkten (dazu zählt für sie auch alles, was sie im Wald und auf Wiesen sammeln kann) tut auf allen Ebenen gut. Eine Ausnahme bilden für sie die im Sommer gesammelten Eierschwammerl/Pfifferlinge (Cantharellus cibarius), die vor allem im rohen Zustand gesundheitsfördernd wirken. Da sie aber roh nicht bekömmlich sind und für kulinarische Zwecke mindestens 15 Minuten gekocht werden müssen, kann man hier ein Pulver oder eine Tinktur herstellen. Diese wirken gegen (Darm-)Parasiten und stärken ebenso das Immunsystem.


Pflanzliche Immunbooster und ihre Wechselwirkungen


Bei der Einnahme von Medikamenten oder Vorerkrankungen ist es anzuraten, kurmäßige Anwendungen immer mit dem Arzt zu besprechen. So sollten zum Beispiel Menschen mit Herz- oder Nierenschwächen auf häufige Zubereitungen der Brennnessel (Urtica dioica) lieber verzichten. So gut sie auch mit ihrer stoffwechselanregenden Wirkung unser Immunsystem unterstützt, für manche Menschen ist sie nicht geeignet.


Um ein Beispiel für eine Wechselwirkung bei Medikamenten zu nennen: Menschen, die blutverdünnende Mittel einnehmen, sollten das Judasohr (Auricularia auricularia-judae) lieber meiden. Der kleine, schwarze Pilz, der auch in der asiatischen Küche verwendet wird, hat neben seiner äußerst positiven Wirkung auf das Immunsystem auch eine blutverdünnende Wirkung und würde in zu großer Menge genossen (bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten) mitunter gefährlich werden. Auch in der Schwangerschaft gilt besondere Vorsicht bei Kräuter- und Pilzverzehr.



Rezept Tannenpunsch


• 3 Handvoll frische Tannennadeln, klein geschnitten

• 1/2 unbehandelte Zitrone oder Orange

• 1 l Wasser

• etwas Orangensaft

• getrocknete Früchte und Beeren (Apfel, Hagebutten, Kornelkirschen, Himbeeren etc.)

• 1 kleines Stück frischer Ingwer

• Gewürze (Nelken, Zimt, Sternanis etc.)


Tannennadeln mit einem Keramikmesser fein schneiden, Zitrone oder Orange in Scheiben schneiden und mit den weiteren Zutaten in Wasser aufkochen lassen. 10 Minuten ziehen lassen. Nach Belieben mit Likör oder Schnaps (Schlehe, Waldbeeren etc.) und/oder Honig bzw. Kandiszucker verfeinern.


Für die innerliche Anwendung werden nur die Nadeln der äußersten Triebspitzen verwendet, der Rest des Tannenastes kann getrocknet und klein geschnitten als Räuchergut bevorratet werden.


aus dem Buch „Die große Waldapotheke“,

Kneipp-Verlag, 10 Seiten,

ISBN 978-3-7088-0880-2


 
 
 

Kommentare


bottom of page